Rogner & Bernhard - Ein Verlagsportrait PDF Print E-mail
Rogner & Bernhard – Ein Verlagsportrait.
Von Christopher Brunk.

"Rhythm & Blues - R&B, ['riðm ænd 'blu:z] [...] ist ein aus dem Harlem Jump abgeleiteter vereinfachter Blues mit starkem Beat und musikalisch unkomplizierter als der Jazz." (Eintrag auf wissen.de)

"R&B - Rhythm & Blues. Aber auch Rogner & Bernhard." (Eintrag in einem fiktiven Lexikon der Popkultur)

Der Wikipediaeintrag führt den 1968 in München gegründeten, 1982 nach Hamburg und 2004 nach Berlin umgesiedelten Verlag Rogner & Bernhard lakonisch als „Verlag für Belletristik und Sachbücher“. - Wohl eher Kultverlag für Popkultur! Dem Spätgeborenen eröffnet sich das aktuelle Verlagsprogramm wie ein Kabinett der wirklich wichtigen Protagonisten und Wendepunkte des Pop: Biografisches und Essayistisches über Miles Davis, David Bowie, Iggy Pop, John Peel und das Impulse Label. Hintergründiges über Musikindustrie, Mafia und Massive-Multiplayer-Onlinewelten. Dazu Unterhaltendes über Sex, Schwangerschaft, Berlin und hedonistische Lebensentwürfe. Und spätestens beim Namedropping erstmals auf dem deutschen Markt Veröffentlichter wie  T. C. Boyle, Irvine Welsh, Douglas Adams, William Gibson oder Armistead Maupin geht einem auf, daß es sich wie ein purpur schillerndes Band durch die Jahrtausendwende windet.

Erstaunlich, wie der Verlag es geschafft hat, sich durch die wirtschaftlichen Höhen und Tiefen des Lebens zu kämpfen - inklusive Orts- und Besitzwechsel und Einstieg ins Online-Zeitalter - und dabei ein anhaltend hohes Niveau bei der Qualität der Veröffentlichungen zu halten. Der Pakt mit dem Teufel der gelegentlichen Editionen erotischer Literatur wird dabei kaum geholfen haben. Da plagt einen direkt schlechtes Gewissen, bestimmte Werke erst in der Zweit- oder Drittverwertung gelesen zu haben.

Doch zum Glück gibt es immer wieder eine Rettung für den 1968 von Klaus P. Rogner, Marianne Bernhard und Axel Matthes gegründeten Verlag: 1973 durch den Verleger Heinrich Ellermann und dessen Tochter Antje Landshoff-Ellermann, die den Verlag nach Ausscheiden von Axel Matthes 1976 mit wechselnden Co-Verlegern bis ins neue Jahrtausend über Wasser hält, und schließlich 2004 durch Jakob Augstein, Johanna von Rauch und Konstantin Richter.

Bestimmt ist man sich bewusst welch Kleinod man in den Händen hält, wird dieses doch immer mehr dem Vorsatz der ehemaligen Gründer gerecht, „engagierte, nicht dogmatische Literatur“ vorzulegen. Die Mischung aus Popliteratur, Poptheorie und Philosophischem lässt denn auch eine recht klare Eingrenzung des Zielpublikums zu, so die charmante Presseabteilung bei R&B, Lektorin  Anke Göbel und ihre Mitarbeiterin Eva Flammensbeck, - man kenne sein Publikum genau. Und, welch Überraschung, Mark Rowlands, der wolfsfreundliche Philosoph im aktuellen Programm von R&B, ziert das Titelblatt vom Merkheft aus dem Hause Zweitausendeins tituliert als dessen Bestseller. Zusammen mit Tom Hodgkinson eins der Zugpferde von R&B und Verfasser  lebensbejahender Werke in den Zeiten der Krise. Da lässt sich nun auch ein Muster erkennen: immer wieder hoffnungsvolle amerikanische Autoren und dazu „literarische Schätze“ wie die Roman-tauglichen intensiven Reportagen von Gay Talese.

Die Bücher des Verlags sind übrigens nicht mehr im allgemeinen Buchhandel erhältlich, man bestellt über das Merkheft beim Zweitausendeins-Vertrieb, mit dem seit 1982 eine Exklusivkooperation besteht, oder online – ebenfalls bei Zweitausendeins.